Baden-Württembergisches Kraftfahrzeuggewerbe erwartet finanzielle Unterstützung von der Politik

20. November 2019

„Die Automobilhersteller bekommen 1,2 Milliarden Euro von der Bundesregierung, aber unsere Kraftfahrzeugbetriebe gehen leer aus. Das ist schwer zu verstehen.“ Michael Ziegler, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, zog aus dieser Ungleichbehandlung die Konsequenzen. Er forderte bei der Delegiertenversammlung des Verbandes in Leinfelden-Echterdingen „Gehör und Unterstützung für den bevorstehenden Wandel“ von der Politik. Wobei die Unterstützung durchaus in Euro und in Form von Förderprogrammen stattfinden soll. Mit Blick auf die angestrebte Verbreitung von Elektroautos, sagte er: „Um eines ganz deutlich zu sagen: Wir im Kfz-Gewerbe sind die Schnittstelle zum Kunden und von uns hängt es ab, ob Elektromobilität in der Fläche ein Erfolg wird. Deshalb brauchen wir von der Politik passgenaue finanzielle Unterstützungen.“
Die aktuellen Förderprogramme „sind für Kfz-Betriebe oftmals ungeeignet, während die Industrie milliardenschwere Zuschüsse erhält“, kritisierte Michael Ziegler. Er verwies zum Beweis der Ungleichbehandlung auch auf das wirtschaftliche Gewicht von Herstellern und Handel: „Wir setzen im Kfz-Gewerbe bundesweit jährlich rund 180 Milliarden Euro um und beschäftigen mehr als 440.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die deutsche Automobilindustrie kommt mit rund 480.000 Beschäftigten nur auf unwesentlich mehr, die Zulieferer erreichen gut 300.000 Beschäftigte. Wir sind also genauso systemrelevant wie die Automobilindustrie.“

Die Kfz-Betriebe müssten genauso Geld in die Hand nehmen wie die Hersteller, wenn die Elektromobilität durchgesetzt werden soll: „Überall stehen große Investitionen in Lade- und Werkstattinfrastruktur sowie Mitarbeiterqualifizierung an. Pro Betriebsstandort kommen da schnell 100.000 oder 200.000 Euro zusammen.“ Das Verhalten der Hersteller gegenüber dem Handel sieht er dabei durchaus zwiespältig, denn „die Hersteller werden diese Fahrzeuge ab dem nächsten Jahr schon wegen der CO2-Flottenziele in den Markt drücken.“ Für die Hersteller geht es dabei um Milliarden. Um die Milliarden der Kaufprämie, die der Bund bereitstellt und „von denen der Handel nichts hat“. Dazu um die Milliarden, die sie an Strafzahlungen an die EU leisten müssten, wenn sie die ab 2020 neu vorgegebenen Grenzwerte mit ihren Flotten nicht einhalten können.
Für den Handel gehe es darum, seine wirtschaftliche Position abzusichern. „Wir müssen sehr aufpassen, dass die Verbreitung der Elektromobilität nicht zu Lasten des Handels geht. Manche Hersteller geben bereits Elektroverkaufsquoten vor.“ Als partnerschaftliche Zusammenarbeit empfindet das Kfz-Gewerbe das nicht. Deswegen sei die Politik gefordert alle Beteiligten gleich zu behandeln und die E-Auto-Förderung gerecht zu verteilen.